WENIGER IST MEHR

Das Thema Minimalismus beschäftigt mich immer wieder. Nachdem ich in Neuseeland drei Monate lang problemlos mit so viel ausgekommen bin, wie in meinem Rucksack Platz hatte, wurde mir, zurück zu Hause, noch mehr bewusst, wie viel Unnötiges sich im Laufe der Jahre so ansammelt.

In der heutigen Zeit konsumieren wir viel zu viel ohne zu überlegen. Alles ist jederzeit verfügbar und ohne es zu merken, häufen wir Dinge an, die wir eigentlich gar nicht wirklich brauchen. Ich würde es nicht wagen, mich Minimalistin zu nennen, jedoch versuche ich seit einiger Zeit bewusster darauf zu achten, was und wie ich konsumiere. Ich habe damit angefangen genau zu überlegen, ob ich etwas wirklich brauche oder nicht. Jedes Mal, wenn ich etwas in der Hand halte, von dem ich glaube es kaufen zu müssen, frage ich mich immer: “Brauche ich das WIRKLICH?” Und wisst ihr was, meistens lautet die Antwort “NEIN”  und ich spaziere mit leeren Hände wieder nach Hause. 🙂 Dieser Trick funktioniert wirklich bestens!

Minimalismus beschränkt sich für mich aber nicht nur auf Konsumgegenstände. Das Motto “weniger ist mehr” begleitet mich in verschiedenen Bereichen meines Lebens:

Weniger arbeiten mehr Zeit zum Leben

Vor einem Jahr habe ich mich dazu entschieden meine Vollzeitstelle aufzugeben und eine neue Teilzeitstelle zu suchen. Momentan arbeite ich “nur” noch etwa dreieinhalb bis vier Tage in der Woche und ich habe diesen Entscheid bis jetzt keine Minute bereut. Nach der Ausbildung war klar: Du musst 100% arbeiten, für etwas bist du ja schliesslich so lange zur Schule gegangen und hast studiert. Schnell habe ich jedoch gemerkt, dass mir so die Zeit für Dinge, die mir persönlich wichtig sind, fehlt. Ich war oft gestresst, konnte nur schlecht abschalten und wurde immer unzufriedener. Nach drei Jahren realisierte ich, dass ich eine Veränderung brauchte. Wenn mich heute jemand nach meiner Arbeit fragt, ist die Reaktion häufig dieselbe. Viele sagen mir: “Das sollte ich eigentlich auch tun, aber leider geht es nicht.Ich muss doch meine Miete bezahlen, sparen, etc…” Ich sage dazu: Es ist möglich, wenn du dein Leben wirklich glücklicher gestalten willst. Weniger zu arbeiten bedeutet zwar, weniger Geld zu Verfügung zu haben, was ich aber durchaus als sehr positiv empfinde. Denn wer weniger Geld hat, entscheidet automatisch viel bewusster, für was er sein Geld ausgeben will. Konsumgüter werden weniger wichtig, dafür hast du mehr Zeit für dich selbst und Zeit ist heutzutage bekanntlich das wertvollste Gut überhaupt!

Weniger Quantität mehr Qualität

Wenn ich dann doch mal etwas kaufe, versuche ich darauf zu achten, dass die Qualität stimmt. Lieber kaufe ich ein gutes T-Shirt, das fair und bio produziert wurde, als zum gleichen Preis fünf Billig-T-Shirts nur damit ich eins in allen Farben besitze, die gerade in Mode sind. Wenn etwas noch reparierbar ist, investiere ich lieber Geld in die Reparatur, anstatt etwas Neues zu kaufen. Leider sind viele Produkte mittlerweile nicht mehr darauf ausgerichtet lange zu halten, vor allem Elektronikgeräte scheinen mehr und mehr an Wert zu verlieren, so dass neu kaufen oft billiger ist, als das Instand setzen. Bleibt zu hoffen, dass sich an unserer Wegwerfgesellschaft bald etwas ändert und immer mehr Menschen darauf aufmerksam werden, dass sie ihren Teil dazu beitragen müssen.

Weniger Stress mehr Gesundheit

Stress ist allgegenwärtig und gehört zum Leben in unserer modernen Gesellschaft einfach mit dazu. Schon Schulkinder leiden mittlerweile unter Stress und sich gestresst zu fühlen wird sogar zum neuen Statussymbol. Wer dazugehören will hat Stress, denn Stress zeigt, dass man gebraucht wird und man in seinem Job unentbehrlich ist. Man fühlt sich wichtig und definiert sich durch seine Arbeit! Dass sich diese Einstellung negativ auf die Gesundheit auswirkt und Ursache für die zunehmende Anzahl an Menschen mit Burn-Out verantwortlich ist, ist dabei eigentlich jedem klar. Umso schöner ist es daher, dass ich auch immer wieder von Menschen höre, die aus dem Ganzen aussteigen und sich neu orientieren. Warum sich jahrelang bei der Arbeit krank schuften, wenn dafür die Gesundheit darunter leidet? Es ist wichtig seine eigenen Grenzen zu kennen und zu respektieren. Nicht immer zu allem ja zu sagen und sich immer mehr Aufgaben aufzuhalsen, sondern nur zu machen, was sich gut anfühlt, kann auch eine Form von persönlichem Minimalismus sein. Für mich ist es das jedenfalls und seit ich weniger arbeite, merke ich auch wie schön es ist nach dem Arbeiten nach Hause zu kommen und nicht völlig erschöpft auf das Sofa zu fallen. So bleibt genügend Energie für die wichtigen Dinge im Leben!

Weniger Sorgen mehr Lebensfreude

Es gibt unzählige Gründe, worüber man sich Sorgen machen kann. Ich habe aber schon oft festgestellt, dass sich Probleme meist allein dadurch lösen, indem man feststellt, dass da gar nie ein wirkliches Problem war. Will heissen: 80-90% der schlimmen Szenarien, die wir uns in unserem Geist ausmalen, treffen erst gar nie ein. So verschwendet man einiges an Energie und während man so dabei ist, sich über alles mögliche den Kopf zu zerbrechen, vergisst man völlig an die vielen guten Dinge in seinem Leben zu denken. Bereits Shakespeare erkannte: “An sich ist nichts weder gut noch böse. Das Denken macht es erst dazu.” Nehmen wir uns also Zeit die positiven Seite des Lebens zu feiern und dankbar dafür zu sein, was wir alles haben, denn es ist immer leichter das Negative zu sehen…

Nun interessiert mich eure Meinung dazu:

Was bedeutet für euch “weniger ist mehr” und wie steht ihr zum Thema Minimalismus? Ich bin gespannt!

2017-06-18T23:34:08+00:00 17.03.2017|Denke positiv, Finde deinen Weg|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Andrea 30. März 2017 um 14:01 Uhr - Antworten

    Im Moment ist ja gerade Fastenzeit. Ich habe mich von einem Magazin inspirieren lassen, mir für diese Zeit etwas vorzunehmen und sie ein wenig spezieller zu gestalten, als die restliche Zeit des Jahres. Mein Fasten geht genau in diese Richtung von “Weniger ist Mehr”.
    Ich habe mir überlegt, was ich gerne ändern möchte. Und kam schnell auf die Antwort, dass ich mich in vielen Bereichen zu überflutet fühle. So war ich schnell bei meinen Fastenpunkten: Ich schaue nicht fern, ich benutze mein Smartphone nur mit einem guten Grund. Wenn ich esse, esse ich, wenn ich häkle, häkle ich und wenn ich einen Tee trinke, dann trinke ich eben nur einen Tee, ohne daneben noch andere Dinge “zu erledigen”. Und worauf ich stolz bin, weil es bis jetzt wunderbar geklappt hat: Statt Mittag für Mittag mich mit etwas zu verköstigen, das in einer sehr unnötigen Verpackung steckt, nehme ich mein selbstgekochochtes Essen mit und lasse meinen Kaffeebecher auffüllen, statt jedesmal einen Pappbecher zu vergeuden (falls ich meinen Kaffeebecher vergessen habe, dann gibt’s eben keinen Kaffee. Strafe muss sein 😉 ).
    Und: Ich liste jeden Abend 3 Punkte auf, die mich an diesem Tag speziell glücklich gemacht haben. Ein Plus-Fasten sozusagen. 🙂 Und ja, das macht wirklich glücklich (so wie du auch in deinem Beitrag zur Dankbarkeit schreibst)!

    Danke für Deine tollen Texte! Es ist einfach schön, etwas Schönes zu lesen! 🙂 🙂

  2. Elke Schumacher- Mosimann 18. März 2017 um 1:38 Uhr - Antworten

    Seit mein Lebenspartner gestoben ist, versuche ich auch so zu leben. Das Leben ist viel zu kurz um es mit unnötigen Dingen zu verschwenden. Ich habe mich von all dem unnötigen Ballast getrennt und gehe im meiner Freizeit mehr in die Natur. Sie gibt mir die Kraft, die ich im Moment brauche um zu überleben. Das Leben ist so kurz…..

  3. Lisa 17. März 2017 um 21:43 Uhr - Antworten

    stimme dir voll und ganz zu! Weniger ist auf jeden Fall mehr- in fast allen Bereichen des Lebens. Außer vielleicht in der Liebe 🙂 Davon kann es nie genug geben <3

    • Jeannine 18. März 2017 um 10:09 Uhr - Antworten

      Genau, du sagst es! Denn “all you need is love” 🙂

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