SELBSTOPTIMIERUNGSWAHN

Wir leben in einer Zeit, in der wir uns über wenig Sorgen machen müssen. Für alles ist gesorgt und unsere Grundbedürfnisse sind vollends gedeckt. Wir leben in einem der sichersten Länder der Welt und gehören somit zum privilegierteren Teil der Menschheit. Sollte allein diese Tatsache nicht Grund genug sein, um einfach dankbar und glücklich unser Leben zu leben? Unglücklicherweise neigt der Mensch dazu, immer mehr zu wollen und gibt sich nicht so leicht zufrieden. Es gibt immer etwas in unserem Leben, das wir noch verbessern könnten. Wir erklimmen die nächste Stufe der Pyramide, die da heisst: Persönlichkeitsentwicklung und Selbstverwirklichung. Keine Woche vergeht, in der ich nicht auf irgendein neues Angebot in diesem Bereich stosse. Die Auswahl ist riesig: Yoga als Ausgleich, Entspannen mit Meditation, vegane Ernährung, effizienteres Arbeiten, Motivationsseminare, ein Wochenende mit einem Schamanen, noch eine Weiterbildung, noch ein Kurs, usw. Literatur zu diesen Themen füllen längst nicht mehr nur ein kleines Bücherregal im hinteren Teil des Geschäfts.

Versteht mich nicht falsch. Das Seminar bei Christian Bischoff war grandios und ich würde jederzeit wieder hingehen. Es hat mich in meinem Leben ein grosses Stück weiter gebracht und hat mir aufgezeigt in welche Richtung ich mich weiterentwickeln kann, wenn ich dazu bereit bin. Hin und wieder jedoch beschleicht mich ein Gefühl, dass mir sagt: “Sei doch mal zufrieden, mit dem was du hast!” Ich frage mich in solchen Momenten: Haben wir verlernt einfach nur glücklich zu sein? Einfach so, von innen heraus und weil gerade alles gut ist, wie es ist? Unsere Gesellschaft drängt uns gerade dazu immer weiter an uns zu arbeiten. Mach diese Weiterbildung, dann hast du einen besseren Job! Meditiere und du findest das Glück in dir! Reise so viel wie möglich, damit sich dein Horizont erweitert. Aber vor allem: Höre nie auf, an dir zu arbeiten! Werde gesünder, schlanker, fitter, schneller und zu einer besseren Version von dir selbst.

Es ist ein ständiger Spagat zwischen Weiterentwicklung und einem Selbstoptimierungswahn, der keine Grenzen mehr kennt.

Vielleicht können wir uns aber auch einfach glücklich schätzen, dass wir die Chance erhalten haben uns in unserem Leben mit solchen Dingen beschäftigen zu dürfen. Während sich Menschen in entfernteren Ländern tagtäglich damit auseinandersetzen müssen, wie sie ihre Familie versorgen können, dürfen wir uns aus einer unglaublichen Fülle an Möglichkeiten einen Lebensstil zusammenstellen, von dem andere nur träumen.

Schlussendlich ist die einzige Konstante im Leben die Veränderung. Wenn wir uns in unserem Leben also so oder so ständig weiterentwickeln, wieso sollten wir dann die Sache nicht gleich selbst in die Hand nehmen und bewusst steuern, in welche Richtung die Veränderung gehen soll? Wir könnten die Gelegenheit nutzen und Schritt für Schritt einen neuen Weg gehen ohne dabei jedoch zu vergessen ab und zu eine Pause einzulegen, stehen zu bleiben, uns umzuschauen und zu geniessen, was wir bereits erreicht haben.

Wir können zwar nicht die ganze Welt verändern, aber es bleibt die Hoffnung, dass wir, wenn wir uns selbst verändern, auch unser Umfeld positiv beeinflussen und so die Welt ein Stückchen besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben. Klingt etwas naiv ich weiss, aber in der heutigen Zeit ist die Hoffnung auf eine bessere Welt mehr als nötig und wenn wir dazu bei uns selbst anfangen müssen, lohnt es sich allemal.

 

Wie steht ihr zu diesem Thema? Wie viel Zeit investiert ihr in eure Persönlichkeitsentwicklung? Ich bin gespannt von euren Erfahrungen zu hören.

2017-06-18T23:37:22+00:00 07.05.2017|Finde deinen Weg, Lebe im Moment|0 Kommentare

Keine Kommentare

  1. Ralf 7. Mai 2017 um 22:49 Uhr - Antworten

    Ich mache Yoga, gebe Coachings und lasse mich coachen. Ich arbeite an mir. Ich finde aber auch die Welt um mich rum sehr spannend.

Hinterlassen Sie einen Kommentar